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Ich gewann den Himmel

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„Ich gewann den Himmel…“ – das ist der Name des Blogs meiner Freundin, Ursula, welche sofort zu meiner Seelenverwandten wurde.

Vor ein paar Wochen traf ich Ursula das erste Mal oder besser gesagt, wir beide wurden zusammengeführt. Ich fand ihre Idee und das, was sie anderen Eltern mit ihrem Blog gegeben hat, wunderbar. Ihre Worte geben den Betroffenen Eltern, welche ihr Kind verloren haben, viel Licht, Hoffnung, Kraft, Glaube und Zuversicht.

Ich ging also nach Hause um mit grossem Interesse, Ursula’s Blog zu lesen. Der Gedanke daran, wie man sein Kind verlieren und trotzdem wieder gluecklich weiterleben kann, liess mir keine Ruhe. Ich fand die Idee einer Selbsthilfegruppe für betroffene Eltern wunderbar und musste den Hut ziehen vor einer Frau, die etwas so Aussergewoehnliches geschaffen hat.

Ich dachte aber auch: Wie kann es sein, dass auf der Welt etwas derart Schlimmes passiert?“. Ich erinnere mich, dass meine Mutter mir sagte, dass keine Mutter so etwas Schlimmes darüber lesen soll. Dass man sich mit so einem Tabu-Thema nicht beschaeftigen soll. Ich kann verstehen, dass sie mich auf ihre Art schuetzen wollte, aber ich wollte die Augen vor so einem Thema nicht einfach verschliessen. Wenn auch so etwas Schlimmes passieren muss, dann muss es passieren und niemand kann es ändern.

Ich schrieb also Ursula, dass ich ihre Idee unglaublich finde und gerne etwas ueber sie auf meinen Blog schreiben möchte, da dies sicher vielen Eltern helfen würde. Wir waren seither in Kontakt bis zu jenem schrecklichen Donnerstag, den ich nie mehr vergessen werde.

Genau das geschah nun mir; ich verlor meinen kleinen Sohn. Mein Baby, mein wunderbarer, schöner, süsser kleiner Sohn wurde nach 2 Jahren, 8 Monate und 13 Tage des reinen Glücks durch einen dummen Unfall aus seinem Leben gerissen. So sehr habe ich meinen Sohn geliebt, habe für ihn gesunde Mahlzeiten mit Bergkraeutern gekocht, darauf geachtet, dass er Milch trinkt für seine Knochen, habe ihn gestillt, so lange wie er es wollte und trotzdem musste das mir passieren, warum?

Jetzt ist mir klar, warum ich mich vergangene Woche so melancholisch und so traurig gefuehlt habe, bevor der Kindergarten fuer ihn begann… es war weil unsere gemeinsame Zeit zu Ende ging.

War es nicht genug, den Tsunami zu überleben und tausende Tote zu sehen? (Siehe auch meinen Post ueber den Tsunami). War es nicht genug, die Krankheit meines älteren Sohnes durchzustehen? Waren die schlaflosen Nächte, die wir im Krankenhaus verbracht haben und meinen Sohn leiden sahen nicht genug? Mein älterer Sohn ist inzwischen wieder vollständig genesen. Doch nun muss ich nach all diesen schlimmen Zeiten noch meinen kleinen Sohn Noah verlieren?. Es ist, als hätte ich mein Augenlicht verloren.

Am Freitag Morgen schrieb ich eine sehr schwierige Mail an Ursula. Jetzt ist mir klar, warum ich sie getroffen habe. Ich brauchte ihre Hilfe nicht für meinen Blog sondern für mich selbst. Ursula ging nun auf den Friedhof und besuchte dort ihren Sohn. Sie bat ihn in meinem Auftrag, den kleinen Noah im Himmel zu suchen und mit ihm zu spielen.

Nach allem, was in diesen Tagen passiert ist, bin ich sicher, dass Gabriel nun im Himmel wie ein älterer Bruder für Noah sein wird.

In den letzten Tagen habe ich eine unbeschreibliche Mischung aus verschiedenen Gefühlen durchgemacht; Trauer, Wut, Schuld… aber auch unglaublich viel Glück, reines Glück, Licht und Liebe, was ich nicht beschreiben kann, weil ich das nie zuvor erlebt habe. Ich weiss, dass mein Sohn glücklich ist. Er hat mir so viele Zeichen gegeben und mir auf seine Weise gesagt: „Meine liebe Mamma, mach Dir keine Sorgen. Der Tod ist nicht das Ende vom Leben, sondern erst der Anfang von einem anderen Leben, vom wirklichen Leben.“

Am Sonntag nach dem tragischen Unfall ging ich mit meinem älteren Sohn zum Friedhof und liess ihn einen Platz aussuchen, wo wir seinen kleinen Bruder beerdigen werden. Als wir Hand in Hand zum Friedhof liefen, sagte ich zu ihm: „Ich habe das Gefühl, das Ganze ist wie ein Traum“. Darauf nahm Sven meine beiden Hände und antwortete: „Mamma, hast Du das noch nicht gemerkt?; das Leben IST ein Traum“. Minuten später hat er den Platz für das Grab ausgewählt und wie das Schicksal es wollte hiess der junge, der nebenan beerdigt war Gabriel. So wurde mir klar, dass Noah mir sagen wollte: „Mami, Gabriel und ich sind zusammen – nicht nur hier, sondern auch im Himmel.“

Ich liebe Dich so sehr, mein Baby, ich bewundere Dich, ich denke an Dich, ich vermisse Dich. Ich fühle Dich. Danke, dass Du geboren bist. Danke, dass Du mir die Ehre gegeben hast, Deine Mutter zu sein. Danke für die bedingungslose Liebe, die Du uns gegeben hast. Danke, dass Du mich gelehrt hast, glücklich zu sein. Mammi ist bei Dir. Du darfst jetzt spielen und sorge Dich nicht um mich, mein Engel.

Es wird mir wieder gut gehen, ich werde Dich mein Leben lang ehren, ich werde von Ursula lernen, die Du auf meinen Weg gebracht hast ich versuche wie sie, das Beste daraus zu machen.

Mach Dir keine Sorgen um Deinen Bruder. Ich weiss, wie sehr Du ihn geliebt hast. Deine Mamma und Dein Papa werden ihn behüten und es wird immer so bleiben, mein Liebster.

….. Spiele jetzt und sei glücklich…

Und ja Ursula, du hast Recht, wir gewinnen den Himmel…

Hier gebe ich Euch den Link zum Blog von Ursula mit dem Post, welchen sie fuer mich publiziert hat: http://meganeelcielo.blogspot.com/2014/03/para-ti-jennifer-y-para-todas-las-mamas.html und Thaniyay, die Selbsthilfegruppe, welche Ursula gegruentet hat: http://www.thaniyay.com/

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